Geschichte 1918 bis 1980

Chronik des Ortsvereins

Geschichte des Ortsvereins

Im Rahmen des 60- jährigen Jubiläums wurde 1980 eine ausführliche Festschrift zur Geschichte des Ortsvereins erstellt. Auszüge daraus geben einen Einblick in die Entwicklung der SPD in Vilshofen und in der Region:

Die ersten Schritte der SPD in Vilshofen in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg

Die Arbeiterbewegung begann sich in den Jahren um 1890 von München aus, wo die Sozialdemokratische Partei schon feste Wurzeln geschlagen hatte, auch auf das flache Land auszubreiten.
Der organisatorische Aufbau der Sozialdemokratischen Partei im Landkreis Vilshofen nahm nicht wie man annehmen sollte in der Kreisstadt ihren Anfang, sondern in der verhältnismäßig kleinen Gemeinde Gergweis im Vilstal.

In der Kreisstadt Vilshofen dürfte die erste öffentliche SPD- Versammlung am
6. Januar 1907 stattgefunden haben. Im "Vilshofener Wochenblatt“ Nr. 4 vom Mittwoch, den 9.1. 1907 heißt es darüber:
"Die Sozialdemokratie beginnt nun auch in der Provinz für die bevorstehende Reichstagswahl die Werbetrommel zu rühren. So fand gestern Sonntag Nachmittag im Hüttinger- Saale dahier (später Stockmaier- Saal heute Volksbank, Stadtplatz 6) eine zahlreich besuchte sozialdemokratische Wahlversammlung statt, in welcher als Referent der Genosse Otto Bayer aus Straubing auftrat und namentlich über die Kolonialpolitik scharf losdonnerte.“

Schon am Sonntag, 20. Januar 1907, fand eine weitere sozialdemokratische Versammlung in Vilshofen statt. Darüber schrieb das "Vilshofener Wochenblatt“ am 7:
"Abends 8 Uhr Sonntag, 20.1. tagte im überfüllten Stockmaier- Saal (heute Volksbank, Stadtplatz) eine Wahlversammlung der Sozialdemokraten, in welcher Genosse Auer, Kassenbeamter von München, in fast 2 1/2stündiger Rede die Anwesenden durch grelle Beleuchtung unserer politischen Zustände zu fesseln wusste, die Sozialdemokratie als richtige Volkspartei zu verherrlichen suchte und für die Wahl seiner Kandidatur empfahl. Stürmischer Beifall seiner Anhänger erfolgte am Schlusse der oft sehr drastischen Ausführungen."

Die SPD erzielte bei der Reichstagswahl am 25. Januar 1907 den ersten nennenswerten Erfolg in Vilshofen, wo sie 189 Stimmen, das sind 39,3 Prozent, erreichte.
Noch bei keiner Bundestagswahl nach 1945 hat die SPD in der Stadt Vilshofen diesen Stimmenanteil erreicht. Umso höher ist deshalb dieses Ergebnis vom Jahre 1907 zu werten.
Am Sonntag, 17. Februar 1907, sprach in Vilshofen anlässlich einer Versammlung zur Gründung einer Ortskrankenkasse, die von Richard Iberl einberufen wurde, Erhard Auer, München.

In der Stadt Vilshofen fand am Sonntag, 1. August 1909, im Wolferstetter- Keller ein Arbeiter- Sommerfest statt, bei dem anstelle des vorgesehenen Landtagsabgeordneten Erhard Auer ein Redakteur der "Münchner Post“ die Festrede hielt. Das "Vilshofener Wochenblatt“ berichtete darüber u.a. wie folgt:
"Dem Arbeiter- Sommerfest, das am vergangenen Sonntag im Wolferstetter- Keller abgehalten wurde, war ein heißer Sommernachmittag beschieden. Kein Wunder also, dass der schattige Garten bis auf das letzte Plätzchen besetzt war. Einen Hauptanziehungspunkt bildete entschieden die angekündigte Festrede, welche anstelle des verhinderten Landtagsabgeordneten Auer der Redakteur des Münchnersozialdemokratischen Parteiblattes ,Die Post‘ nach ein paar einleitenden Musikstücken hielt. Ein Arbeiterfest, so meinte der Redner, rufe bei den Spießbürgern immer einen Sturm der Entrüstung hervor über die Begehrlichkeit und Anmaßung der unzufriedenen Proletarier. Aber diese ließen sich hievon nicht beirren. Besonders in den jetzigen traurigen Zeiten fühlten sie umso mehr das Bedürfnis, sich zusammenzuschießen und sich über ihr Wohl und Wehe auszusprechen. Es sei klar, dass unter den jetzigen traurigen Zeitläuften die Tage der neuen Steuern und Lasten zu verstehen seien, die den Arbeiter doppelt schwer treffen. Seit dem beinahe 40- jährigen Bestehen des Deutschen Reiches sind die Schulden ins Unendliche gewachsen, zu deren Verzinsung auch die Minderbemittelten des Volkes in Form von Entrichtung indirekter Steuern sehr fühlbar herangezogen würden. Die heutige Finanzpolitik sei die Frucht des am 25. Januar 1907 in neuer Zusammensetzung hervorgegangenen Reichstags. Dass sich Zentrum, Liberale und Konservative nicht ins eigene Fleisch schneiden würden, war vorauszusehen. Im übrigen ist ja nicht zu leugnen, dass auch manch derbe Wahrheit zur Sprache kam, die unseren sogenannten bürgerlichen Parteien zur richtigen Zeit aufgetischt werden muss. Der übrige Teil des Festes war der Unterhaltung gewidmet und erstreckte sich bis in die späte Nach hinein.“

Es ist anzunehmen, aber wegen fehlender Unterlagen nicht beweisbar, dass in den Jahren 1908 bis 1910 weitere SPD- Ortsvereine in Alkofen, Aunkirchen und Vilshofen gegründet wurden. In Aldersbach soll bereits 1905 ein SPD- Ortsverein gegründet worden sein. Leider gibt es hierfür keine sicheren Unterlagen mehr, aber aus den Berichten der Zeitung, in denen von "Genossen“ die Rede ist, lässt darauf schließen. Auch die heute noch lebenden Parteifreunde aus diesen Gemeinden bestätigen das. Über die personelle Besetzung und die Mitgliederzahl ist auch nichts mehr bekannt.

Die Stadt Vilshofen hatte im Jahre 1909 3629 Einwohner. Das Jahr 1910 brachte insbesondere in Niederbayern große Aufregungen wegen der Bierpreiserhöhungen. Dazu das "Vilshofener Tagblatt“ am 5.4.1910: "Die gegenwärtige Bewegung infolge der Bierpreiserhöhung hat die Sozialdemokratie zur Propaganda für ihre Partei und deren Presse benützt, indem sie gestern vormittags in sämtlichen hiesigen Gasthäusern (Vilshofen) durch ihre Genossen Flugblätter mit der Überschrift ,Das Bier wird teurer‘ verteilen ließ. Mit einer Abonnements- Einladung auf die sozialdemokratischen Blätter Südbayerns schließt dieses Flugblatt ab.“
Beim Arbeitersommerfest am 18. September 1910 im Wolferstetter- Sommerkeller in Vilshofen hielt Sekretär Birnkammer aus München die Festrede und bei der öffentlichen Versammlung am 9. Oktober sprach Gemeindebevollmächtigter Georg Vogt aus München über: ‘Die Lebensmittelverteuerung, ihre Ursachen und Wirkungen.‘ Josef Scheuer zeichnete jeweils als Einberufer. Interessant ist, dass in dieser Zeit in den Inseraten besonders auf die freie Diskussion und auf den Zutritt von Frauen hingewiesen wurde.

Anlässlich der Reichstagswahl vom 12. Januar 1912 fand am 26. November 1911 im Stockmaier- Keller (Schweiklbergerstr. etwa beim Schützenheim) in Vilshofen eine Versammlung mit Landtagsabgeordneten Erhard Auer als Referenten statt. Darüber wurde zwar im "Vilshofener Tagblatt“ nicht berichtet, aber in der Nr. 277 vom 3.12.1911 wurde eine ausführliche Erklärung von Stadtpfarrkooperator Friedrich Leeb abgedruckt, die sich mit den Ausführungen Auers in dieser Versammlung auseinander setzte.

 

Der SPD- Ortsverein Vilshofen wird am 19. Dezember 1918 gegründet

Mit dem Ende des 1. Weltkrieges und der Umwandlung des Kaiserreiches in eine Republik, an deren Spitze der Sozialdemokrat Friedrich Ebert stand, erhielt die SPD neuen Auftrieb. Die erste SPD- Versammlung in der Stadt Vilshofen die von Fritz Müller einberufen wurde, fand am 7. Dezember 1918 im Stockmaier- Saal statt. In dieser Versammlung wurde auch zum Beitritt und zur Gründung eines SPD- Ortsvereins in Vilshofen aufgerufen. Diese Gründungsversammlung fand dann am 19. Dezember 1918 im Gasthaus zum ,,Goldenen Ochsen“ (heute Geschäftshaus ,,Aldi“ und Fleischwaren Wasner‘ Stadtplatz) statt. Zum Vorsitzenden wurde der Kaufmann Fritz Müller gewählt. Dieser wurde bereits am 11. November als Hauptmann der Bürgerwehr und am 12. Dezember zum Vorsitzenden des Volksrates in Vilshofen gewählt. Er hatte mit seiner Konstituierung die Geschäfte des Magistrats- und Gemeindekollegiums in der Stadt Vilshofen übernommen. Bereits am 21. November sprach der Kaufmann Fritz Müller in einer Volksversammlung und berichtete dort über seine Vorsprache bei Minister Auer in München.

Die Volksversammlung wurde von August Wenninger geleitet, Referent war Peter Holl aus Passau. Herr Kooperator Baumgärtler sprach in der Diskussion zum Religionsunterricht und über die geforderte Trennung von Kirche und Staat und Kirche und Schule. Wie das "Vilshofener Tagblatt“ berichtete, ließ Peter Holl am früheren Zentrum kein gutes Haar und machte es mitverantwortlich an den Dingen, die nun geschehen und die uns weiter bevorstünden.
Am 9. Januar 1919 fand im Stockmaier- Saal in Vilshofen eine große öffentliche Volksversammlung statt, bei der der Kandidat zur Nationalversammlung, Oberzahlmeister Bernrieder, sprach. Wie das "Vilshofener Tagblatt“ berichtete, wies die Versammlung einen ungemein starken Besuch auf, so dass die Besucher bis an die Aufgangstreppe standen und vom Versammlungsleiter für 13 Uhr eine zweite Versammlung angesetzt werden musste. Bernrieder befasste sich insbesondere mit der Bayerischen Volkspartei, der Nachfolgepartei des Zentrums.
Die Landtagswahl vom 12. Januar 1919 und die Reichstagswahl vom 19. Januar 1919 brachten der SPD auch in Vilshofen einen großen Erfolg. So erreichte die SPD in Vilshofen bei der Landtagswahl 503 Stimmen = 29,3 Prozent und bei der Reichstagswahl 533 Stimmen = 31,9 Prozent. In Alkofen bei der Landtagswahl 482 Stimmen = 58,2 Prozent und bei der Reichstagswahl 419 Stimmen = 54,7 Prozent und in Aunkirchen erhielt die SPD bei der Landtagswahl 195 Stimmen = 37,5 Prozent, bei der Reichstagswahl 170 Stimmen = 35,6 Prozent.

Am Montag, dem 24. Februar 1919, veranstaltete die SPD in Vilshofen einen Demonstrationszug zur Erhaltung eines freien Volksstaates Bayern. Das „Vilshofener Tagblatt“ berichtete wie folgt darüber:
"Der Demonstrationszug am letzten Montag Nachmittag in den Straßen der Stadt zur Erhaltung eines freien Volksstaates Bayern nahm einen durchaus ruhigen Verlauf. Von der hiesigen Ortsgruppe der sozialdemokratischen Partei veranstaltet, nahm derselbe nach einer kurzen Versammlung mit den Zweck der Demonstration erläuternder Ansprache auf der sog. Weindlbauernwiese an der Aidenbacher Straße seinen Ausgang und bewegte sich von da über die Vilsbrücke nach der Stadt unter Vorantragung einer roten Fahne. Vor dem Rathaus, dem Geschäftshause des ,,Vilshofener Tagblattes“, dem Schulhause, dem Amtsgericht, Bezirksamt und zuletzt dem Pfarrhofe wurden von dem Führer des Zuges, dem sich wohl an die 600 Personen von Vilshofen und Umgebung angeschlossen hatten, Vorsitzenden des Arbeiterrates Vilshofen Herrn Fritz Müller kurze Ansprachen gehalten, die in Forderungen gipfelten, welche von dem Herrn Vorstand des Pfarramtes bzw. dem Vertreter, des Inhabers der L. Ruckertschen Buchdruckerei zugestanden wurden. Die Ansprachen klangen in einem dreimaligen Hoch auf den freien Volksstaat Bayern aus, in das die Gesamtheit begeistert einstimmte. Der ruhige Verlauf der Demonstration und ,die stramme Disziplin des Zuges zeugte von der Einsicht und dem guten Willen der Teilnehmer.“

Sozialdemokraten setzten sich also damals für den Föderalismus massiv ein. Trotzdem hat sich leider die gegenteilige Mär bis heute hartnäckig gehalten.
Zur Vorbereitung der Gemeindewahlen am 15. Juni 1919 fanden in vielen Orten Versammlungen statt. Einen Höhepunkt in der Versammlungsreihe erreichte die 1. Maifeier in Vilshofen, zu der Abordnungen aus vielen Ortsvereinen des Landkreises kamen. Auch in Aidenbach fand eine Maifeier statt und in Pleinting am 25.5. ein Maifest.

Der Räteputsch in Bayern hatte auch bis Vilshofen seine Wellen geschlagen, so telegraphierte der Arbeiterrat Vilshofen an den Ministerpräsidenten in Bamberg:
,,Die Einwohnerschaft Vilshofens steht mit überwiegender Mehrheit auf dem Boden der sozialistischen Regierung Hoffmann. Der Arbeiterrat Vilshofen schließt sich dem Willen des Volkes an.“ Und die Sozialdemokratische Partei Vilshofen erklärte am 6. Mai 1919 einstimmig, dass die Erschießung der 10 Geiseln in München eine verabscheuungswürdige, gemeine Tat ist, und bedauert aufs tiefste die ermordeten Opfer. Solche Vorgänge verabscheut die organisierte Arbeiterschaft einerseits als unerhörtes Verbrechen und andererseits als Stärkung der Reaktion. Deshalb muss mit allen Mitteln gearbeitet werden, dass derartige skandalöse Vorfälle in Zukunft unterbleiben.

 

1919 bis 1920

Für die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl am 15. Juni 1919 wurden in vielen Gemeinden auch Kandidaten der SPD aufgestellt. In Vilshofen wurden 4 Stadträte der SPD gewählt (August Wenninger, Fritz Müller, Josef Hoyer und Otto Schmid), die BVP erhielt 5 Sitze, die Demokraten- Partei zwei und die Bürgerpartei 1 Sitz. Fritz Müller erhielt als Bürgermeisterkandidat 469 Stimmen und Felix Wieninger, der gewählt wurde, 704 Stimmen.
Bei der Bezirkstagswahl (heute Kreistagswahl) kandidierte die SPD im Landkreis Vilshofen mit 16 Kandidaten, davon aus dem Vilshofener Raum: Fritz Müller, 48 Jahre, Kaufmann, Vilshofen; Josef Detzer, 34, Gütler, Schönerding: Josef Ober- meier, 54, Lokomotivführer, Schmalhof; Michael Bauer, 45, Gütler, Waizenbach; Otto Schmid 34, Werkführer, Vilshofen; Josef Hoyer, 41, Stadtkämmerer, Viishofen; Martin Berger, 45, Maschinist, Vilshofen und Rudolf Brunner, 28, Schlosser, Vilshofen, Fritz Müller und Josef Detzer wurden gewählt.
Im niederbayerischen Kreistag (heute Bezirkstag) erhielt die SPD 41.033 Stimmen, das sind 21, 9 Prozent und 6 Mandate von 30. Aus Vilshofen wurde Fritz Müller in den Kreistag gewählt.
Auf Antrag von Kreisrat Fritz Müller hat der Kreistag am 19. Dezember 1919 beschlossen, der Stadt Vilshofen zur Unterhaltung der Donaubrücke einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 10 000 RM zu gewähren. Gleichzeitig wurde der Antrag Fritz Müllers, die Regierung möchte für die Verstaatlichung der Brücke eintreten, einstimmig angenommen.
Am 1. April 1920 beschloss der Landtag die Übernahme der Donaubrücke Vilshofen durch den Staat. Um das Verdienst wegen der Übernahme der Donaubrücke durch das Land Bayern kam es zwischen Fritz Müller und Dr. Eggersdorfer von der BVP zu einer Auseinandersetzung.

 

1920 bis 1922


Felix Meindl

Bei den Reichstags- und Landtagswahlen am 6. Juni 1920 zeigte sich die Spaltung der SPD in Mehrheitssozialisten (MSPD) und Unabhängige Sozialisten (USPD) erstmals auch in Vilshofen. So erhielt die USPD in Vilshofen 247 Stimmen und die MSPD 158.

Für die fällige Bürgermeisterwahl am 13. Februar 1921 in der Stadt Vilshofen, bei der erstmals ein hauptamtlicher Bürgermeister gewählt wurde, stellten MSPD und USPD in einer gemeinsamen Versammlung am 1. Februar 1921 den Bürgermeister von Achdorf bei Landshut, Felix Meindl, als Kandidaten auf. Dieser stellte sich in einer Versammlung am 10. Februar im Wieninger- Saalbau den Vilshofenern vor. Die gutbesuchte Versammlung wurde vom Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Oberpackmeister Wunder, geleitet. Meindl schilderte seinen Lebenslauf und entwickelte sein Programm. Ein Teilnehmer aus Passau beschäftigte sich u.a. auch mit der Person des Sekretärs Gruber, der für die BVP kandidierte. Wie schon oft, so wurde vom Berichterstatter des VT auch diesmal wieder Bericht und Kommentar miteinander verquickt, denn dieser schrieb am Schluss, dass Herr Meindl eben nicht der richtige Mann an der Spitze des Stadtgemeinde Vilshofen wäre, dass im Rathaus bei seinem Einzug Parteipolitik getrieben würde, gewiss nicht zum Segen der Stadt Vilshofen! Daher erst recht muss die Parole am Sonntag lauten:
Präsidialsekretär Gruber - Passau!
Am nächsten Tag wurde in einer Art Leitartikel, der mit "Der Wahlausschuss“ gezeichnet war, die Person Felix Meindl unter die Lupe genommen und wörtlich hieß es dort: „Und warum warnen wir davor, den Gegen- Kandidaten Landgerichts- Obersekretär und ersten Bürgermeister von Achdorf, Meindl zu wählen? In erster Linie, weil Meindl der linksradikalen Richtung angehört und dadurch die ganze Gemeindepolitik in sozialistischer Parteifärbung geführt zu werden in Gefahr kommt.“

Nun, wer war dieser Felix Meindl, der sich um das Bürgermeisteramt in Vilshofen bewarb? Er war Bürgermeister von Achdorf bei Landshut, nach der Eingliederung nach Landshut im Jahre 1928 wurde er Stadtrat in dieser Stadt, 1929 3. Bürgermeister von Landshut, 1933 bis 1945 z.T. im KZ Dachau, ab 1946 wieder Stadtrat in Landshut, von der Militärregierung als Oberbürgermeister eingesetzt, später Vorsitzender der SPD- Fraktion im Landshuter Stadtrat bis 1956, er wurde er der Stadt und starb am 10. Dezember 1956.
Bei der Wahl am 13. Februar 1921 erhielt Meindl trotz alledem 650 Stimmen, sein Gegenkandidat Gruber 800 Stimmen.

Am 4. September fand in Vilshofen eine von der Sozialdemokratischen Partei einberufenen Demonstrations- Versammlung: "Für die Republik, gegen den politischen Meuchelmord“ statt, die einen sehr guten Besuch aufzuweisen hatte und in der der Referent Stadtrat Oskar Heymann aus Passau die Ermordung der Abgeordneten Gareis und Erzberger scharf verurteilte. (Bericht im "Vilshofener Tagblatt“) Eine weitere Versammlung fand am 26. November 1921 in Vilshofen statt, auf der, der Landtagsabgeordnete Segitz aus Nürnberg über das Thema: „Republik und Sozialdemokratie“ sprach.

Der Steinarbeiter Franz Senninger und der Konsumvereinsgeschäftsführer August Wenninger, beide SPD, wurden in den Ausschuss der AOK Vilshofen als Vertreter der gewerblichen Versicherten gewählt. Wenninger wurde dann am 6. Januar 1922 zum 2. Vorsitzenden des Kassenvorstandes gewählt, 1. Vorsitzender wurde Josef Butzenberger, Hinding (Bauernbund). Dagegen hat die BVP in einem Leserbrief scharf opponiert.

Allenthalben macht sich schon die Teuerung und die Geldentwertung stark bemerkbar. So kostet 1 Zentner Kartoffeln bereits 55 Mark, 1 Liter Vollbier 5,20 Mark, 1 Ei 2 bis 3 Mark, die einfache Bahnfahrt nach Passau 7 Mark, Briefporto 2 Mark.

Am 10. Januar 1922 beschließt der Stadtrat Vilshofen den Beitritt zur Baugenossenschaft Vilshofen und die Erwerbung von 10 Anteilen a 400 Mark.

Auch in Neustift- Blindham besteht eine Baugenossenschaft.

Am 23. Mai 1922 lehnt der Kreistag Niederbayern gegen die 7 Stimmen der SPD einen Zuschuss zum Ausbau der Realschule in Vilshofen ab. Hierzu führte Kreisrat Müller aus:
„Meine Herren! Reden ist hier überflüssig. Ich kenne die Stimmung im ganzen Hause. Ich bedauere unendlich, dass es mir nicht gelungen ist, hier einen Zuschuss zu erreichen. Ich beantrage nicht einmal Abstimmung, denn ich habe die felsenfeste Überzeugung, dass außer meiner Fraktion niemand dafür stimmen würde. Mir tut es nur leid , dass enge Gesichtspunkte maßgebend waren. Man kann Landshut und Vilshofen nicht miteinander vergleichen. Gerade die ländlichen Vertreter müssten besorgt sein, dass in kleinen ländlichen Zentralpunkten Schulen sind, wo sie ihre Kinder hinschicken könnten. Sonst ist dies nur ein Vorrecht der großen Städte. Es geht eine große Summe von Intelligenz gerade in den einfachen Kreisen verloren, weil diese Intelligenz nicht geweckt werden kann, denn Intelligenz ist nicht nur in den Großstädten zu finden!

 

Die Zeit nach dem 1.Weltkrieg bis zur Hitler- Diktatur

Am 10. Januar 1922 rückte Franz Renner, Oberweichenwärter, in den Stadtrat für den zurückgetretenen Stadtrat, Stadtkämmerer Josef Hoyer, nach.
Der Mord an Reichsminister Rathenau hat auch in Vilshofen hohe Wellen geschlagen, so hat die SPD mit folgendem Inseratentext zu einer Kundgebung eingeladen:
,,An das arbeitende Volk Vilshofens und Umgebung, an alle friedlielbenden Männer und Frauen! Der grauenhafte Mord an Minister Rathenau ruft das Volk zum Kampfe gegen die Meuchelmörder, die Gegner der Republik, auf. Bewahrt das deutsche Volk vor Bürgerkrieg und Untergang und erscheint alle am Samstag, den 1. Juli 1922, abends 7:30 Uhr, im Gasthaus Meister (großer Saal) zu dieser großen Massenkundgebung. Die Leitung der Sozialdemokratischen Partei Vilshofen."

Dazu erschien am Dienstag, 4. Juli 1922, im „Vilshofener Tagblatt“ folgender Kurzbericht: „Nach Einführung der auch nichtsozialistischen Parteien angehören den Anwesenden in Zweck und Ursache der Kundgebung durch den Vorsitzenden Herrn Wunder hielt Herr Prennel aus Passau ein längeres Referat, welches das Thema vom sozialistischen Standpunkt aus beleuchtete. Einer gefassten, vom Vorsitzenden verlesenen Resolution an die Reichs- , bzw. bayerische Regierung mit der Forderung, sich energisch für den Bestand der Republik einzusetzen, wurde einstimmig zugestimmt. Einige Äusfälle der Redner wären besser unterblieben - im übrigen verlief die Versammlung ruhig und ohne Störung.“

Am 10. Februar 1922 schied Fritz Müller aus dem Stadtrat Vilshofen aus, sein Nachfolger wird Hausbesitzer Josef Scheuer. Der erste Bürgermeister brachte Herrn Müller die treue Pflichterfüllung als Mitglied des Stadtrates und seine immer stete Schaffenslust den Dank des Stadtrates zum Ausdruck. Besonderen Dank gebühre Herrn Müller für seine Verdienste in der Vermittlung von Kreiszuschüssen für den städtischen Wohnungsbau Aidenbacher Straße, die er sich als Mitglied des niederbayerischen Kreistages für die Stadt erworben habe.

Als Nachfolger von Fritz Müller, der nach München verzog und aus dem Bezirkstag Vilshofen ausschied, rückte der Gütler Xaver Rauch aus Schwarzwöhr nach und nahm am 5. Mai 1922 erstmals an einer Bezirkstagssitzung im Gasthaus Bayerischer Hof in Vilshofen teil.

Fritz Müller verbleibt aber im Kreistag Niederbayern und wurde am 9. Mai 1922 wieder zum 1. Schriftführer gewählt. Am 14. Juli 1922 trat Bürgermeister Gruber, Vilshofen, wegen Übernahme einer anderen Stelle von seinem Amt zurück.

 

Die Zeit nach dem 1.Weltkrieg bis zur Hitler- Diktatur

Am Sonntag, 30. Juli 1922, sprach im großen Saal in Gratzlöd in Vilshofen Frau Landtagsabgeordnete Lina Amon, Nürnberg, in einer öffentlichen Volksversammlung. In einer SPD- Versammlung am 19. August 1922 im Gasthaus Grüner Baum in Vilshofen wurde über die Bürgermeisterwahl mit dem Ergebnis beraten, daß auch die SPD den alleinigen Bürgermeisterkandidaten Pausch unterstützen werde. Die Neuwahl war am 17. September 1922 und Pausch wurde bei geringer Wahlbeteiligung gewählt.

Mit der Generalversammlung der SPD Vilshofen am 31.12.1922 endete das Jahr 1922 und das Jahr 1923 beginnt mit einer öffentlichen Versammlung am 13. Januar, in der Landtagsabgeordneter Hauptlehrer Schlichtinger aus Regensburg sprach. Zum Vorsitzenden der VSPD Vilshofen wurde Franz Wunder wiedergewählt.

 

In der Stadtratssitzung vom 27. April 1923 berichtete Kreisrat Fritz Müller von den Verhandlungen im Kreistag über die Realschulangelegenheit der Stadt Vilshofen. Es war nur mit großer Mühe möglich, der Stadt den namhaften Betrag von 2 Millionen Mark zuzusprechen, doch wurde der Beschluss einstimmig gefasst. Der Bürgermeister widmete Herrn Kreisrat Müller herzliche Dankesworte.
Am 7. Dezember 1924 fand außer der Reichstagswahl auch eine Gemeinderatswahl statt. In Vilshofen gab es keine SPD- Liste, sondern die SPD- Mitglieder kandidierten auf der Liste "Arbeitsgemeinschaft“, die drei von 16 Sitzen erhielt: Franz Ratzinger 488 Stimmen, Franz Renner 313 Stimmen und August Wenninger 294 Stimmen.

Für die Reichstagswahl am 20. Mai kandidierte Josef Detzer aus Schönerting an 8. Stelle der SPD- Liste für Niederbayern- Oberpfalz. Dies ist aus einer Kurzmeldung des „Vilshofener Tagblattes“ über den in Vilshofen am 13.4. 1928 abgehaltenen Bezirksparteitag der SPD zu entnehmen. Bei dieser Wahl wurden in Vilshofen noch 207 Stimmen für die SPD abgegeben.

Am gleichen Tag fanden auch die Landtags- , Kreis- und Bezirkstagswahlen statt. Im Bezirkstag (heute Kreistag) erhielt die SPD 6 Sitze. Aus Vilshofen wurden gewählt: Alois Reisinger, Vilshofen; Josef Detzer, Schönerding; Josef Mayerhofer, Bacheröd; Max Bauer, Meierholz.
In der Stadt Vilshofen wurde am 30. Juni 1928 Georg Burgl zum 1. Bürgermeister gewählt und am 7. Juni Dr. Max Sandgruber zum 2. Bürgermeister. Am 18. Dezember 1928 ist das Vilshofener Rathaus abgebrannt, wurde wieder neuerbaut und am 9. Juni 1929 eingeweiht.

Zu der Wahl am 8. Dezember 1929 wurde in Vilshofen wieder eine eigene SPD- Liste mit 7 Bewerbern aufgestellt. Es kandidierten: Franz Wunder, Lademeister, Georg Harbeck, Ziegeleiarbeiter; Benedikt Steiger, Zimmermann; Alois Birkmann, Hilfsarbeiter; Johann Breitenfellner, Bahnzimmerer; Emiie Wimmer, Elektrotechnikers- Ehefrau und Alois Steinleiner, Steinhauer. Gewählt wurde Benedikt Steiger. Die bisherigen 3 Stadträte der SPD kandidierten nicht mehr. In der Stadt gab es 4 Listen: die SPD erhielt 104 Stimmen und ein Mandat, die Einheitsliste 935 Stimmen und 9 Sitze, die Freie Wählervereinigung 523 Stimmen und 5 Sitze und die Volksgemeinschaft 127 Stimmen und einen Sitz.

Alois Wimmer wurde zum Vorsitzenden des SPD- Ortsvereins gewählt.

Die Ereignisse nahmen nun ihren bekannten Verlauf. Nur die SPD wagte es am 23. März 1933 dem Ermächtigungsgesetz, das Hitler die Möglichkeit gab, ohne Parlament zu regieren, im Reichstag nicht zuzustimmen. Verfolgung, Verhaftung und KZ- Einweisung von Mandatsträgern, Funktionären und Mitgliedern von SPD und KPD waren nun an der Tagesordnung. Auch im Landkreis Vilshofen mussten eine Reihe aufrechter Sozialdemokraten ihre Gesinnungstreue mit „Schutzhaft“ büßen.

 

Die Entwicklung nach 1945

Bereits am 9. Dezember 1945 wurde in der Stadt Vilshofen der SPD- Ortsverein wiedergegründet und Alois Wimmer wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Ihm folgten in diesem Amt in kürzeren Abständen Josef Wenger, Anton Zaunseder, Johann Lanzendorfer und ab Herbst 1948 Karl Pöschl.

Schon in den ersten Wochen des Jahres 1946 fanden öffentliche SPD- Versammlungen statt, am 11. Januar in Vilshofen. Bei den Stadtratswahlen am 27. Januar 1946 erhielt die SPD in Vilshofen zwei Sitze und 375 Stimmen, gewählt wurden Josef Wenger und Anton Zaunseder.
Bei der Kreistagswahl am 28. April 1946 erhielt die SPD in Vilshofen 20,4 Prozent. Die SPD stellte 18 Kandidaten auf, gewählt wurden 8, davon Josef Wenger und Anton Zaunseder aus Vilshofen.

Bei der Kreistagswahl am 25. April 1948 erreichte die SPD im Landkreis 257 640 Stimmen, das sind 20,4 Prozent und 9 Mandate, in der Stadt Vilshofen 21,3 Prozent. Aus Vilshofen wurden gewählt: Heinrich Wagner, 6170 Stimmen, Alois Wimmer, 6010 und Karl Pöschl, der als Ersatzmann später in den Kreistag nachrückte, 5804 Stimmen.
In Vilshofen erhielt die SPD bei der Stadtratswahl 10 426 Stimmen, das sind 24,8 Prozent und 4 Mandate: Heinrich Wagner 1523 Stimmen, Josef Datzmann 912, Karl Pöschl 752 und Hans Sterr 735 Stimmen.

Am 11. Februar sprach Staatssekretär a.D. Hans Gentner in einer Bauernkundgebung in Vilshofen.

Bei der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 erhielt die SPD in der Stadt Vilshofen 12,9 Prozent der Stimmen. Im Wahlkreis kandidierte der Kreisvorsitzende Heinrich Rottenberger, Nicklgut. Auch bei der Landtagswahl am 26. November 1950 kandidierte Rottenberger im Stimmkreis Vilshofen- Landau. Die SPD erhielt in Vilshofen 18,4 Prozent.

Bei der Kreistagswahl am 30. März 1952 erhielt die SPD in der Stadt Vilshofen 24,2 Prozent, von den 8 gewählten SPD- Kreisräten kamen Hans Sterr und Fritz Jodl aus Vilshofen.

Bei der Stadtratswahl am 30. 3. 52 erhielt die SPD in Vilshofen 7649 Stimmen, das sind 17,9 Prozent und drei Mandate. Es wurden gewählt: Hans Sterr, 1540 Stimmen; Heinrich Wagner, 1259; Josef Datzmann, 1079 Stimmen. Ferner erhielten Karl Pöschl, 842; Fritz Jodl, 496 und Josef Zitzelsberger, 439 Stimmen.

Für die Bundestagswahl 1953 kandidierte wieder Bürgermeister Heinrich Rottenberger, die SPD erhielt in Vilshofen 14,3 Prozent.

Bei der Landtagswahl am 28. November 1954 kandidierte im Stimmkreis Vilshofen wieder Heinrich Rottenberger. Er wurde von der Wahlkreiskonferenz auf Platz 2 der niederbayerischen SPD- Liste gesetzt und kam so in den Landtag.
In der Stadt Vilshofen erhielt die SPD 20,0 Prozent.

Bei der Unterbezirkskonferenz am 22. Mai 1955 in Plattling wurden Karl Pöschl und Franz Friedsam als Delegierte für die Bezirkskonferenz gewählt.

Leider konnte Rottenberger seine Aufgabe als Landtagsabgeordneter nicht mehr lange wahrnehmen, denn eine heimtückische Krankheit warf ihn aufs Krankenbett, der er am 22. März 1956 erlag.

Dies hatte Auswirkungen auf die Kreistagswahl am 18. März 1956, denn die SPD erhielt nur 7 Sitze im Kreistag, aus Vilshofen wurden gewählt: Hans Sterr, Ludwig Späth, Josef Zitzelsberger und Karl Pöschl.

Bei der Stadtratswahl wurden für die SPD 8605 Stimmen, das sind 20,20 Prozent abgegeben, das ergab 3 Mandate. Gewählt wurden: Hans Steif, 1263; Heinrich Wagner, 1013 und Karl Pöschl, 766 Stimmen. Ferner erhielten: Fritz Kaczmarek 692; Fritz Jodl, 638 und Josef Zitzelsberger, 595 Stimmen. Jeder Wähler hatte 16 Stimmen, da in Vilshofen 16 Stadträte gewählt wurden.

Bei der Kreiskonferenz am 14. April 1956 untersuchte der amtierende Kreisvorsitzende Franz Friedsam die Gründe, die zum ungünstigen Abschneiden der SPD bei der Kreistagswahl führten. Zum neuen Kreisvorsitzenden wurde Karl Pöschl gewählt und Schriftführer wurde Franz Friedsam.

In diesen Jahren wurde eine intensive Mitgliederwerbung betrieben, was zur Gründung von 11 SPD- Ortsvereinen im Landkreis Vilshofen führte.

 

Die Mittwochsrunde

Zu dieser Zeit begann man sich wöchentlich zuerst in der Donaugasse Nr. 16, dann im DGB- Jugendheim (im Graben), in dem der Kreisverband und der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt die Erdgeschossräume gemietet hat und die dafür zur Verfügung gestellt wurden, zu treffen. Meist waren dies Vorstandsmitglieder und aktive Genossen. Am 19. September 1979 feierte man im Hallenbad- Restaurant die 1000ste „Mittwochsrunde“.

Diese früher wöchentlichen Zusammenkünfte werden heute als Monatstreffen durchgeführt: die Mittwochsrunde trifft sich jeweils am zweiten Mittwoch des Monats im Flugplatzrestaurant.

 

Politischer Aschermittwoch 1957 bis 1977

Darüber hinaus fanden nun ab 1957 regelmäßig am Sonntag nach dem Aschermittwoch SPD- Kundgebungen statt, auf der jeweils namhafte SPD- Politiker zu Wort kamen.
1957 Waldemar von Knoeringen
1960 Waldemar von Knoeringen
1962 MdB Peter Nellen
1963 Staatssekretär a. D. Johann Maag -
1964 Bezirksvorsitzender MdB Franz Marx
1965 Oberbürgermeister Dr. Hans Jochen Vogel
1966 MdL Landrat Dr. Helmut Rothemund
1967 Franktionsvorsitzender MdB Helmut Schmidt
1968 Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller
1969 Staatssekretär Holger Börner
1970 Staatssekretär Klaus von Dohnanyi
1971 Staatssekretär Philip Rosenthal
1972 Oberbürgermeister Dr. Hans Jochen Vogel
1973 MdB Peter Glotz, Stdl. Landesvorsitzender
1974 Bundesarbeitsminister Walter Arendt
1975 Staatssekretär a. D. Conrad Ahlers
1976 Bundesminister Dr. Hans Jochen Vogel
1977 und die folgenden Jahre Landesvorsitzender Dr. Helmut Rothemund

Foto: Kundgebung im Wolferstetterkeller- Saal am 12. Februar 1967 mit dem damaligen ,Vorsitzenden der SPD- Bundestagsfraktion Helmut Schmidt, dem heutigen Bundeskanzler.
v.l.n.r.: Bgm. Alfons Gerstl, MdL, Hermann Stiefvater, MdL. Oberblirgermeister d Stadt Straubing Fritz W Hörauf, MdB. Eggenfelden; H Schmidt; Walter Fritach, MdB., später Landrat Deggendorf.

 

Die Entwicklung nach 1945

So brachte die Bundestagswahl am 15. 9. 1957 einen Anstieg der SPD- Wählerstimmen, in Vilshofen von 14,3 auf 21,2 Prozent. Bei der Landtagswahl am 23. November 1958 wurden in der Stadt Vilshofen 19,7 Prozent der Stimmen für die SPD abgegeben. Für den Bezirkstag kandidierte Kreisrat Josef Zitzelsberger, der im Landkreis Vilshofen 4550 Stimmen erhielt. Bei der Kreistagswahl am 27. März 1960 konnte die SPD einen großen Sprung nach vorn machen und erhielt 9 Kreisräte und 20,96 Prozent der Stimmen, in der Stadt Vilshofen 31,9 Prozent, was eine Steigerung um 10,8 Prozent bedeutete. Aus Vilshofen wurden in den Kreistag gewählt: Josef Zitzelsberger, 6528; Hans Sterr, 5973; Franz Friedsam, 5958; Alfons Gerstl, 5663 und Karl Pöschl, 5631 Stimmen. Fritz Kaczmarek erhielt als 1. Ersatzmann 5574 Stimmen.

Bei der Stadtratswahl am 27. 3. 1960 erhielt die SPD 11 139 Stimmen, das sind 26,95 Prozent und 4 Mandate. Gewählt wurden: Alfons Gerstl, 1349; Hans Sterr, 1347; Fritz Kaczmarek, 978 und Heinrich Wagner, 973 Stimmen. Ferner erhielten: Karl Pöschl, 950; Josef Datzmann, 644; Franz Friedsam, 608 und Josef Zitzelsberger, 598 Stimmen. Alfons Gerstl hatte auch zum Bürgermeister kandidiert. Er erhielt 33,34 Prozent der Stimmen. Am 4. Februar 1962 wählten die Delegierten des Stimmkreises Vilshofen- Land Stadt- und Kreisrat Alfons Gerstl, Vilshofen, zum Landtagskandidaten und Siegfried Kroiß, Landau, zum Bezirkstagskandidaten. Zum 1. Vorsitzenden des Unterbezirks wurde Kreisrat Franz Friedsam, Vilshofen, gewählt. Friedsam wurde außerdem zum Wahlkreiskandidaten für den Landtag und Wilhelm Pfrogner, Landau für den Bezirkstag nominiert.

Bei der Landtagswahl am 25. November 1962 erreichte die SPD in der Stadt Vilshofen 32,8 Prozent, was eine Zunahme von 13,1 Prozent bedeutete. Im Stimmkreis Vilshofen- Landau erhielt Gerstl 10 380 Erststimmen und die Partei 10 057 Zweitstimmen. Der Erfolg der SPD wurde mit der Wahl von Alfons Gerstl gekrönt, dem es auf Anhieb gelang als SPD- Abgeordneter in den Bayerischen Landtag einzuziehen.

Am 27. Oktober 1963 fand im Wolferstetter- Kellersaal in Vilshofen die Hundertjahrfeier der SPD statt, bei der der Landesvorsitzende Volkmar Gabert die Festansprache hielt. Damit verbunden war eine Wanderausstellung „100 Jahre SPD“ ,die in Büchern und Dokumenten die 100jährige Geschichte der SPD aufzeigte. Anlässlich dieser Veranstaltung wurden 9 SPD- Jubilare mit dem goldenen Parteiabzeichen für mehr als 50- jährige und 44 mit dem Parteiabzeichen in Silber für über 25 jährige Mitgliedschaft in der SPD ausgezeichnet.

 
 

Die Bürgermeisterwahl in Vilshofen

Foto: Dr. Hans Jochen Vogel, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München spricht in Vilshofen

So ein Tag, ,so wunderschön wie heute , sang das ,,Sterr- Trio“ im Gasthaus ,,Zur Goldenen Gans“! (später Fotohaus Nieslony)

Infolge des aus gesundheitlichen Gründen erfolgten Rücktritts des bisherigen 1. Bürgermeisters der Stadt Vilshofen, Georg Weil, wurde die Neuwahl des Bürgermeisters erforderlich. Für die Wahl am 14. März 1965 wurde von der SPD der Landtagsabgeordnete, Stadt- und Kreisrat Alfons Gerstl, Bundesbahnbeamter, nominiert. Für die CSU kandidierte Lehrer Erich Grillhösl. In allen Stadtteilen fanden Versammlungen statt, in denen sich Alfons Gerstl vorstellte und sein Programm entwickelte. Den Höhepunkt erreichte der Wahlkampf mit der Kundgebung am 7. März, in der der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Dr. Hans Jochen Vogel, sprach.

Die SPD und Alfons Gerstl haben den Wahlkampf bis zur letzten Stunde fair und sauber geführt und ließen sich auch durch die Diffamierungskampagne der CSU nicht beirren. Der Ausgang der Wahl war eine Sensation, über die weit über die Bundesrepublik hinaus berichtet wurde, ist doch bisher Vilshofen in der Welt nur durch die CSU- Aschermittwochkundgebungen mit Franz Josef Strauß und die Überschwemmungskatastrophen bekannt geworden.

 

Alfons Gerstl wird Bürgermeister von Vilshofen

Foto: 2. Bürgermeister Dr. Max Sandgruber übergibt am 16. März 1965 Alfons Gerstl symbolisch die Schlüssel des Rathauses

Alfons Gerstl erhielt von 3.436 abgegebenen Stimmen 2.062, das sind 60,86 Prozent. Sein Gegenkandidat erhielt 1.326 Stimmen und 39,14 Prozent. Gerstl ist der 100. Bürgermeister der Stadt Vilshofen und der erste Sozialdemokrat auf diesem Posten. Mit ihm übernahm der Mann dieses Amt, den die Stadt Vilshofen brauchte, um ihre anstehenden Probleme lösen zu können.
Schon 15 Minuten nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr lag das erste Ergebnis aus einem Wahlbezirk vor und an dem Sieg Gerstl war nicht mehr zu zweifeln. Die Spannung der letzten Tage löste sich und Dutzende von Vilshofenern waren unterwegs, um das Wahlergebnis zu erfahren. Obwohl die SPD keine Feier arrangiert hatte, versammelten sich Hunderte begeisterte Menschen in mehreren Gasthäusern dieser Stadt und feierten ihren Sieg, den Sieg der Vernunft, der Anständigkeit, der Fairness und der Wahrheit! Für Alfons Gerstl, für die SPD und für ihre verantwortlichen Mitarbeiter war dies der Lohn ihrer zielbewussten Aufbauarbeit der letzten Jahre.

Es ist nur zu verständlich, daß in der CSU über diese Wahlniederlage Bestürzung und Niedergeschlagenheit herrschte. In verschiedenen Stellungnahmen und Erklärungen wird der unfaire und unsachliche Wahlkampf für diese schwere Niederlage der CSU verantwortlich gemacht.

Für die örtliche SPD war dieser Wahlausgang in erster Linie ein persönlicher Erfolg von Alfons Gerstl, der durch seine zielstrebige kommunalpolitische Tätigkeit der letzten Jahre die Qualifikation für das Amt des Bürgermeisters erbracht hatte und sich das Vertrauen der Mehrheit der Vilshofener Bürger erworben hatte.

 

Kandidaten zur Landtags- und Bezirkstagswahl 1966

Foto: Nach der Kandidatenwahl zum Bayer. Landtag und zum Niederbayerischen Bezirkstag am 4.6.1966 in den Bürgerstuben in Vilshofen. L.n.r.: Stimmkreiskandidat Alfons Gerstl; Wahlkreiskandidat Franz Lili, Pocking; Stimmkreiskandidat. z Bezirkstag Hans Heudecker (+ 1973); Wahlkreiskandidat Fritz Kaczmarek; Kreisvorsitzender Franz Friedsam.

 

Ab 1966

Nach der Änderung der Stimmkreiseinteilung für die Wahl zum Bayerischen Landtag kam der Landkreis Landau zu Deggendorf und die Landkreise Vilshofen und Griesbach bildeten einen neuen Stimmkreis. Auch in diesem wurde Alfons Gerstl wieder als Kandidat gewählt und zog schließlich im November 1966 wieder in den Bayerischen Landtag ein.

Am 1. Oktober 1966 verlegte der bisherige Kreisvorsitzende Karl Pöschl seinen Wohnsitz nach Waldkraiburg und damit verlor die Vilshofener SPD einen ihrer aktivsten Mitstreiter, denn Pöschl war auch Vorsitzender des Ortsvereins Vilshofen. Die Partei bereitete ihm am Samstag, 24. September im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Ortsvereins Vilshofen einen herzlichen Abschied. Bürgermeister MdL Alfons Gerstl würdigte seine Verdienste um die Partei, deren Aufstieg und Erfolg im Landkreis Vilshofen auch mit seinem Namen verbunden bleiben werden. Karl Pöschl gehörte nicht nur dem Stadtrat, sondern auch 13 Jahre dem Kreistag Vilshofen an und war dort von 1956 bis 1960 Fraktionsvorsitzender. Gerstl überreichte dem Scheidenden die Ehrenurkunde für 50- jährige Mitgliedschaft in der SPD und das goldene Parteiabzeichen. Auch der neue Ortsvereinsvorsitzende Fritz Kaczmarek, der Unterbezirksvorsitzende Franz Friedsam sowie OTV und Arbeiterwohlfahrt sagten ihm Dank und übergaben Geschenke. Friedsam betonte, daß die harmonische Zusammenarbeit nun so abrupt abgebrochen werde und meinte, daß die Geschenke, die Pöschl bekommen habe, lediglich ein bescheidener Dank für die große Leistung seien, die Karl Pöschl im Dienste der SPD vollbracht habe.

Foto: Ortsvereinsvorsitzender Stadt- u. Kreisrat Fritz Kaczmarek und Bürgermeister Alfons Gerstl, MdL, verabschieden den hochverdienten Karl Pöschl u.a. auch mit einem Stich der Stadt Vilshofen.

Nach dem Weggang von Karl Pöschl wählte am 24. 9. 1966 die Generalversammlung des SPD- Ortsvereins den Stadt- und Kreisrat Fritz Kaczmarek zu seinem Nachfolger als Vorsitzenden. Dieser wurde in seinem Amt immer wieder bestätigt, bis er aus Gesundheitsrücksichten 1973 auf dieses Amt verzichtete.
Damit musste sich leider wieder einer derjenigen aus der Politik zurückziehen, denen wir viel zu danken haben, weil sie sich nach dem Zusammenbruch sofort wieder zur Verfügung gestellt haben. Fritz Kaczmarek war z.B. von 1947 bis 1948 Kreissekretär er SPD. In die Zeit des Vorsitzes von Fritz Kaczmarek, der auch Vorsitzender des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt bis zur sogenannten Landkreisgebietsreform und heute Ortsvereinsvorsitzender dieser Wohlfahrtsorganisation ist, fielen bedeutende politische Ereignisse. Dies erforderte für den Ortsverein Vilshofen der SPD viel Einsatz. So 1967 das Volksbegehren „Christliche Gemeinschaftsschule“, das schließlich auf Landesebene zum Erfolg führte. Aber auch 1969 die Bundestagswahl, die schließlich zur Bildung der sozialliberalen Koalition führte und 1970 die Landtagswahl, bei der Bürgermeister Alfons Gerstl wieder in den Bayer. Landtag gewählt wurde. Die Ergebnisse dieser Wahlen vermittelt die Übersicht.
Die Mitgliederzahl des SPD- Ortsvereins hatte in dieser Zeit eine stetige Aufwärtsentwicklung aufzuweisen.

 
 

Ab 1969

Foto: Der Regierende Bürgermeister Klaus Schütz, Berlin, trägt sich, nach seiner Ankunft auf dem Flugplatz Vilshofen im Sept. 1969, dort in das Gästebuch ein. Über seine Unterstützung im Bundestagswahlkampf freuen sich v.l.n.r.: Bundestagskandidat Dr. Hans Klaus Hemm; Anton Hochleitner, MdL; Bgm Alfons Gerstl, MdL; Sepp Eder, Stadtrat Passau; Alois Zwislberger, Bezirksrat ( + 1975) u Fritz Gerstl, Landrat, Passau

Nach der Besichtigung der Autobahnbaustelle in Schalding am 8. Juli 1970 und einer Informationsfahrt von SPD- Abgeordneten fand am 10. September in Vilshofen mit der Bundesministerin für Gesundheits- und Familienfragen, Frau Käthe Strobl, unter Leitung des Vilshofener Bürgermeisters Alfons Gerstl ein Gespräch statt, an dem, in den bis auf den letzten Platz besetzten Bürgerstuben auch Landrat Hofmann, Landtagsabgeordneter Anton Hochleitner, sowie die Kandidaten Hans Öller und Manfred Gausmann teilnahmen.
Am 19. November sprach der Innensenator der Hansestadt Hamburg, Heinz Ruhnau, in einer öffentlichen Wahlversammlung in den Bürgerstuben in Vilshofen.

Eine der großen Herausforderungen für den SPD- Ortsverein Vilshofen und Bürgermeiser Alfons Gerstl war dann in den Jahren 1971 und 1972 die Landkreisgebietsreform und die sich ankündigende Gemeindegebietsreform, von der zur Landtagswahl 1970 im Wahlprogramm der Regierungspartei noch nichts zu lesen oder sonst zu hören war.
Während es Bürgermeister Alfons Gerstl gelang, schon zum 1. Januar 1972 die ehemalige Gemeinde Aunkirchen in die Stadt Vilshofen einzugliedern, war der Kampf um den Erhalt des Kreissitzes Vilshofen schließlich vergebens. Der zweitgrößte Landkreis des Regierungsbezirks Niederbayern, Vilshofen, wurde in zwei Teile zerrissen. U.a. war dem Ortsverein der SPD auch hier wieder die Durchführung eines Volksbegehrens aufgegeben. Die CSU stand diesem ablehnend gegenüber. Es führte leider nicht zum gewünschten Erfolg.
Das Jahr 1972 brachte ebenfalls wieder besondere Aufgaben für den Ortsverein mit sich. Es waren nämlich im Frühjahr die Kommunalwahlen und im Herbst vorgezogene Bundestagswahlen durchzuführen.

Die Kreistagswahlen im neuen Großlandkreis Passau und die Stadtratswahlen in der vergrößerten Stadt Vilshofen am 11. Juni 1972 erforderten besondere Anstrengungen. Die politischen Gegner stellten wohl keinen Gegenkandidaten gegen Bgm. Alfons Gerstl auf, aber es galt, ihm wieder eine starke Fraktion, nach Möglichkeit wie bisher die absolute Mehrheit, zur Seite stellen zu können.
Das Ergebnis war trotz eines Verlustes von 6,6 Prozent ein Erfolg für die SPD, da sie immer noch stärkste Partei im Vilshofener Rathaus mit fast 40 Prozent der Stimmen und damit 8 Mandaten war. Die Zahl der Stadträte erhöhte sich bei dieser Wahl wegen der größeren Einwohnerzahl von 16 auf 20.
Es wurden gewählt: Kaczmarek Fritz, 2461; Reischl Josef, 2181; Schönhofer Karl, 2134; Anthuber Ludwig, 1973; Salatmeier Heinrich, 1822; Friedsam Franz, 1462; Hartl Mathias, 1411 und Wagner Heinrich, 1400 Stimmen. Weiter erhielten als nächste Ersatzkandidaten: Knott Ludwig, 1327; Rasch Ludwig, 1297 und Heinz Huber, 1239 Stimmen.

 

Ab 1973

Foto: Staatsminister Dick verleiht 1977 das Bundesverdienstkreuz am Bande an Franz Friedsam

In der folgenden Legislaturperiode hatte die SPD- Stadtratsfraktion leider wieder einen Todesfall zu beklagen, nämlich Stadtrat Karl Schönhofer, der immer mit soviel Engagement seinen Wählerauftrag erfüllt hatte. Der plötzliche Tod dieses verdienten Kommunalpolitikers löste große Betroffenheit nicht nur in der SPD- Stadtratsfraktion aus, sondern auch über die Fraktionsgrenzen hinaus in großen Teilen der Bevölkerung. So rückte dann Anfang 1976 Ludwig Knott wieder in den Stadtrat nach.

Bürgermeister Alfons Gerstl erhielt bei dieser Wahl ohne Gegenkandidaten 94,4 Prozent der Stimmen.

In den neuen Kreistag wurden aus der Stadt Vilshofen gewählt: Alfons Gerstl, der dort auch Fraktionssprecher wurde, Reischl Josef und Kaczmarek Fritz.

Am 19.10.1973 wählte die Generalversammlung des SPD- Ortsvereins den Stadt- und Kreisrat Josef Reischl zum Vorsitzenden, der auch Sprecher der SPD- Stadtratsfraktion war.

Im September 1972 schied Bürgermeister Alfons Gerstl aus dem Bayerischen Landtag aus, weil er als nunmehriger berufsmäßiger Bürgermeister unter das sogenannte Rechtsstellungsgesetz fiel. Um dies zu vermeiden wäre ein Stadtratsbeschluss notwendig gewesen, der das Bürgermeisteramt als weiterhin ehrenamtlich bestimmt hätte.
Als leidenschaftlicher Kommunalpolitiker entschied sich Alfons Gerstl für Vilshofen, obwohl ihm als Landtagsabgeordneter eine finanziell wesentlich angenehmere Zukunft sicher gewesen wäre. Auch aus der Mitte des Stadtrates wurde ein solcher Beschlussantrag nicht gestellt. So widmete sich Alfons Gerstl in den kommenden 6 Jahren ausschließlich seinem kommunalen Amt in der Stadt Vilshofen.

In die Amtszeit des Vorsitzenden Josef Reischl fielen ebenfalls wieder die fälligen Landtags- und Bundestagswahlen 1974 und 1976. Am 14. Juli 1977 wurde dem Stadtrat Franz Friedsam das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Damit wurde ein Genosse ausgezeichnet, der diese Auszeichnung wie kaum ein anderer verdient hat. Seit Jahrzehnten hat er uneigennützig, trotz seiner Körperbehinderung (Doppelbeinamputation durch Kriegsverwundung) in allen Parteiorganen der Basis, als Kreis- und Stadtrat, als aktiver Mitarbeiter des VdK, in der Arbeiterwohlfahrt usw., als stets treibende Kraft im echten Geist des demokratischen Sozialismus, mitgearbeitet. Er selbst hat anlässlich dieser Ehrung gesagt:
"Als ich im Kampfgebiet so schwer verwundet dalag, da habe ich mir geschworen, wenn ich gerettet werden würde, dann mache ich es mir zur Aufgabe mein Leben lang alles zu tun was in meinen Kräften steht, um zu verhindern, dass andere Menschen ein gleiches Schicksal erleiden müssen. Ich habe mich deshalb nach dem Krieg der Partei angeschlossen, die sich insbesondere u.a. diesem Ziel verpflichtet hat.“

 

1978: Der Ortsverein besteht 60 Jahre

Foto: Die Vorstandschaft bei der Neuwahl 1978

Die Vorbereitungen der Stadtratswahl 1978, die wegen der Eingliederung der ehemaligen Gemeinden Alkofen, Albersdorf, Pleinting, Sandbach und Zeitlarn viel Einfühlungsvermögen und Toleranz von allen Seiten erforderte, wurde schließlich in großer Einmütigkeit erledigt. Der Ausgang dieser Wahl, die am 5. März 1978 stattfand, war nach alledem, was vorher im Zusammenhang mit der Stadtpolitik gesagt wurde, für die SPD mehr als enttäuschend. Was im Grunde niemand für möglich hielt, trat ein, Bürgermeister Alfons Gerstl unterlag mit rund 43 Prozent der Stimmen. Auf die Gründe braucht in diesem Rahmen nicht weiter eingegangen zu werden. Es soll nur der Satz wiederholt werden, als über seine Wahl 1965 berichtet wurde: „Mit ihm übernahm der Mann dieses Amt, den die Stadt Vilshofen,brauchte, um ihre anstehenden Probleme lösen zu können.“

Bei der Wahl der Stadtratsmitglieder erhielt die SPD 61.360 Stimmen, das sind enttäuschende 31,53 Prozent und 7 Mandate von nunmehr insgesamt 24 Stadträten.
Es wurden gewählt: Gerstl Alfons 6522; Reischl Josef 4702; Schedlbauer Elmar 4152; Salatmeier Heinrich 3867; Mayerhofer Rudolf 3167; Wagner Heinrich 2937 und Huber Heinz 2911 Stimmen. Die folgenden Ersatzkandidaten sind Hartl Mathias. 2778; Friedsam Franz 2553; Pöschl Ernst 2353 Stimmen.
Alfons Gerstl verzichtete auf das Stadtratsmandat, so dass für ihn Mathias Hartl in den Stadtrat nachrückte.

Bei der Kreistagswahl am gleichen Tag wurden aus der Stadt Vilshofen folgende SPD- Kreisräte gewählt: Gerstl Alfons, Schedlbauer Elmar, Reischl Josef. Elmar Schedlbauer hatte auch die von vornherein aussichtslose Kandidatur zum Landrat auf sich genommen.
Wegen der Kommunalwahl wurde die fällige Neuwahl des SPD- Ortsvorstandes verschoben. Die Hauptversammlung fand dann am 9.6.1978 statt. Stadt- und Kreisrat Josef Reischl verzichtete auf den Vorsitz, daraufhin wurde Stadt- und Kreisrat Elmar Schedlbauer zu seinem Nachfolger im Vorsitz gewählt.

Der Ortsvorstand setzte sich 1978 zusammen aus:
1.Vorsitzender: Schedlbauer Elmar
Stellvertreter: Gerstl Alfons und Dieter Reischl
Kassiere: Josef Veitweber und Heinz Bacherl
Schriftführer: Franz Friedsam
Organisationsleiter: Josef Reischl
Beisitzer: Fritz Rahn, Marianne Gerstl, Heinrich Wagner, Georg Schmöller, Walter Reindl, Hans Bruckmeier, Helmut Eglseder, HerbertG ams, Franz Wallner und Josef Weigl
Revisoren: Mathias Hartl und Josef Anthuber

Am 14. März 1980 findet nachträglich die 60- Jahrfeier in den Bürgerstuben (mit 152 eingetragenen Teilnehmern in der Anwesenheitsliste) statt.

Leider finden sich keine detaillierten Aufzeichnungen über die Entwicklung des Ortsvereins von 1980 bis heute, die Chronik muss erst noch fortgeschrieben werden.

Weitere Veranstaltungen und Ereignisse ab 2008 finden Sie auf der Seite jüngere Geschichte des Ortsvereins.

 

 
 

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Florian Gams - unser Bürgermeister